RUSSISCHES STAATSBALLETT
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YURI BURLAKA
Tänzer, Ballett-Meister, Tanzhistoriker

Außergewöhnliche physische Fähigkeiten, eiserner Wille und ein tiefes Kunstverständnis ermöglichten ihm, hochkomplizierte Rollen in klassischen wie modernen Ballettstücken perfekt zu tanzen. Elegant und gleichermaßen expressiv besticht er zu seiner aktiven Zeit als Tänzer vor allem durch brillante Technik und einzigartige Musikalität. Als Choreograph und Balletthistoriker hat er zusammen mit Alexei Ratmansky, dem künstlerischen Leiter der Bolschoi Balletts, das dreiaktige Ballett „Le Corsaire“ in einer rekonstruierten Fassung wieder auf die Bühne gebracht, die in der Saison 2006/07 in Moskau Premiere hatte, dann auf einer Tournee des Bolschoi Balletts auch in London (Sommer 2007, Covent Garden) gezeigt wurde und international für große Resonanz in Fachkreisen sorgte. Jetzt wurde der noch nicht einmal vierzigjährige Burlaka in der Nachfolge von Wjatscheslaw Gordejew neuer Künstlerischer Leiter des Russischen Staatsballetts.

Yuri Burlaka wurde 1968 in Moskau geboren und studierte an der Staatlichen Moskauer Akademie für Choreographie bei Professor Pyotr Pestov, wie auch bereits Wjatscheslaw Gordejew und Vladimir Malakhov. 1986 wurde er gleich nach seinem Abschluss Ensemblemitglied beim Russischen Staatsballett, dem er in den folgenden Jahren sein künstlerisches Leben widmete.

Seine größten Erfolge als Tänzer errang Yuri Burlaka in den klassisch-romantischen Rollen, wobei seine Interpretationen von ausgeprägtem Formgefühl, feinem Bewegungssinn und hoch emotionalem, poetischem Ausdruck charakterisiert waren. Dabei zählten Prinz und Pas de trois (Der Nussknacker), Prinz Desire und Blauer Vogel (Dornröschen), Pas de trois (Schwanensee), James (La Sylphide), Albrecht (Giselle), Franz (Coppélia), Lucien (Paquita), Grenguar (Esmeralda), Zephyr (La Gioconda), Junger Mann (Les Sylphides), Pierre (Rast der Kavallerie), Ozean (Das bucklige Pferdchen), Pas de trois (Die Puppenfee), Die Zeit (Cinderella, Choreographie: Wjatscheslaw Gordejew) sowie viele andere zu den künstlerischen Glanzpunkten seiner Karriere.

Neben den klassischen Choreographien brachte er seine Ausdrucksstärke auch im modernen Repertoire ebenso vielfältig wie erfolgreich zur Geltung – zum Beispiel in Choreographien von Wjatscheslaw Gordejew wie „Paganini“, „Liebesmelodie“, „Das blinde Mädchen“ oder „Schneesturm“ (Ballett in einem Akt), die eine besonders plastische Gestaltung der Figuren, Musikalität und intellektuellen Tiefsinn fordern.

Von 1993-96 studierte er an der choreografischen Fakultät der Russischen Akademie der Theaterkünste (bei Wjatscheslaw Gordejew), im März 1999 erwarb Yuri Burlaka nach einem weiteren Studium an der renommierten Pädagogischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Akademie für Choreographie ein Diplom (mit Auszeichnung) als Ballettpädagoge und Ballettmeister. Weit über die Grenzen Russlands hinaus gilt er als ausgewiesener Experte für klassisches Ballett. Er erforscht alte Choreographien sowie Ballett-Musik des 19. Jahrhunderts und gehört der Internationalen Minkus Gesellschaft in Wien an. Im Jahr 2000 veröffentlichte er (als Ko-Autor mit German Pribylov) den Klavierauszug des erhalten gebliebenen musikalischen Programms von „Paquita“ sowie die choreographischen Skripte von Marius Petipa. Er ist der Autor des Lehrbuchs „Musik-Arrangement für Lektionen des klassischen Tanzes“ (1999) und des methodischen Handbuchs „Das klassische Erbe und das Ballet Repertoire des 18. bis 20. Jahrhunderts (2007).

Bereits zu seiner aktiven Zeit als Tänzer hat er ab 1990 mit Leidenschaft und wissenschaftlicher Akribie viele Ballette restauriert und war an verschiedenen Produktionen der „Abende für alte Choreographie“ beteiligt, für die er Fragmente aus Balletten von Michail Fokine, Alexander Gorsky, Marius Petipa, den Brüdern Nikolai und Sergej Legat und anderen wieder mit Leben erfüllte:

· Für die Moskauer Akademie für Choreographie: Pas de trois aus dem Ballett „Die Puppenfee“, „Fresken“ sowie Pas de trois aus dem Ballett „Das bucklige Pferdchen“ und Pas de deux aus dem Ballett „Harlekinade“;

· Für das Russische Staatsballett: „Les Sylphides“, choreographische Suite „Dances of Naina‘s Magic“ aus der Oper „Ruslan und Ludmilla“, Grand pas aus dem Ballett „Harlekinade“, Grand pas aus dem Ballett „Paquita“, Fragment aus dem Ballett „Die Tochter des Pharao“, choreographische Suite „Bed of the Sea“ aus dem Ballett „Das bucklige Pferdchen“, choreographische Suite aus dem Ballett „Die Najade und der Fischer“, Fragment aus dem Ballett „La Fille Mal Gardee“;

· Für das Konservatorium Wien: „Bed of the sea“ sowie Pas de trois „Ozean und Perlen“ aus dem Ballett „Das bucklige Pferdchen“ und „Schwanensee“ (mit Karl Musil und Elisabeth Thiery).

· Für die Choreographische Vereinigung Tokio „Coppelia“ und „Nussknacker“.

2003 begann er ein Aufbaustudium an der Moskauer Staatlichen Akademie für Ballett und wurde dort im gleichen Jahr Leitender Lehrer an der Fakultät für Choreographie und Ballettstudien im Zweig „Klassisches Erbe und Ballett-Repertoire.“

Außerdem nahm er im Jahr 2004 am ersten Workshop des Bolschoi Theater’s „Neue Choreografie“ teil, in dessen Rahmen er Rekonstruktionen von Fragmenten aus Marius Petipa’s „Erwachen der Flora“ und „The Magic Mirror“ sowie Alexander Gorsky’s „Das bucklige Pferdchen“ präsentierte. Trotz seines vielfältigen Engagments fand er noch die Zeit, um für Natalia Nesterova’s Akademie für Tanz „Chopiniana“ und den Grand Pas aus „Paquita“ in rekonstruierten Fassungen zu neuem Leben zu erwecken und in 2006 gemeinsam mit Wjatscheslaw Gordejew an einer Produktion von Don Quixote für das Ekaterinburger Theater für Oper und Ballett zu arbeiten.

Neben all seinen bereits geschilderten umfangreichen Funktionen ist Yuri Burlaka darüber hinaus auch „guest repertoire consultant“ am Wiener Konservatorium und, wie bereits erwähnt, Mitglied der „International Minkus Society“ in Wien. Im Jahre 2000 wurde ihm in Russland eine der höchsten Auszeichnungen verliehen: der Titel „Honoured Artist of Russia“.

Momentan vereinigt er die Position des Künstlerischen Leiters des Russischen Staatsballetts sowie die eines Pädagogen an der Staatlichen Moskauer Akademie für Choreographie und schreibt an seiner Dissertation in seinem Fachgebiet Klassisches Ballett.

Mit seinem Engagement und seiner fachlichen Kompetenz für die Geschichte des Klassischen Tanzes genießt er die äußerste Wertschätzung seines Ensembles und kann als „Idealbesetzung“ für die Rolle des Künstlerischen Leiters des russischen Staatsballetts gelten. Einen würdigeren Nachfolger in dieser Funktion kann Wjatscheslaw Gordejew sich kaum erhoffen.

 
Seit 2008 Künstlerischer Leiter des Russischen Staatsballetts: Yuri Burlaka


Yuri Burlaka als Blauer Vogel in "Dornröschen"


 
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